Laut EZB ist die Nullzinspolitik auch im Interesse der Sparer

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt die Zinsen schon seit vielen Monaten auf extrem niedrigem Niveau. Die derzeitige Nullzinspolitik wurde laut einem aktuellen Bericht der FAZ jetzt sogar durch EZB-Chef Mario Draghi vor dem Europaausschuss des Bundestages als Vorteil für die deutschen Sparer verteidigt. Die Zinspolitik der EZB ist derzeit nicht unumstritten – doch diese Behauptung scheint wider jeglichen Verständnisses, denn gerade Sparer erhalten ja für ihre Spareinlagen so gut wie keine Zinsen mehr und sind so dementsprechend missgelaunt. Mario Draghi verteidigte seine Politik nun jedoch vor dem Ausschuss als Maßnahme zur Belebung der Wirtschaftstätigkeit und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Auch wenn die Sparer derzeit so gut wie keine Zinsen für ihre Einlagen erhalten, so käme doch auch ihnen ein wirtschaftlicher Aufschwung zugute. Könne in Deutschland und im Euroraum ein nachhaltiges Wachstum generiert werden, nütze das letztlich allen Bürgern. Immerhin hat er so das Bewusstsein für die von der EZB gesehene Notwendigkeit der aktuellen Geldpolitik in Erinnerung gerufen. Der EZB-Chef äußerte sich aber auch zu den weiteren Aussichten. 



Anhebung der Zinsen vorläufig nicht geplant


Die Niedrigzinspolitik der EZB wird wohl vorläufig auch weiter anhalten. Die günstigen Zinskonditionen sollen ja die Kreditvergabe und damit einen wirtschaftlichen Aufschwung vorantreiben. Forderungen nach einer Zinsanhebung – die in der Regel auch eine höhere Guthabenverzinsung nach sich ziehen würde – scheinen derzeit ins Leere zu laufen, weil die EZB die Voraussetzungen für einen solchen Schritt nicht als gegeben erachtet. Für eine Anhebung der Zinsen müssten mehr Investitionstätigkeit, sowie eine Produktivitäts- und Wachstumssteigerung eintreten, so die Erklärung von Mario Draghi. Er bemängelte dabei, dass andere Politikbereiche nicht entschlossen genug ihren Beitrag leisten würden – dies gelte sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene. 
Die EZB plant auch weiterhin den Kauf von Euro-Staatsanleihen, um den Wachstumsmotor wieder in Gang zu bringen. Diese Kaufprogramme laufen bereits seit März 2015 und begleiten die Zinspolitik, um den gesetzten Zielen nun bald näher zu kommen. Bisher scheint jedoch die Wirkung der Instrumente nicht sonderlich effektiv – obwohl dies durchaus unterschiedlich betrachtet wird. Gerade Politiker der Union hatten jedoch die Niedrigzinspolitik der EZB im Vorfeld wiederholt kritisiert. So hatte beispielsweise Hans Michelbach von der CSU Draghi’s Politik als „fatales Signal“ bezeichnet. Auch wurde immer wieder Kritik an der Beeinflussung auf die Situation der Geschäftsbanken in Deutschland laut. Nach Aussage der EZB sei die geringe Rentabilität jedoch nicht auf die Geldpolitik zurückzuführen - vielmehr müssten Geschäftsmodelle oder interne Strukturen angepasst werden.



Wie wird es weiter gehen?


Auf jeder EZB-Sitzung gibt es immer wieder veränderte Hintergründe und aktuelle Entwicklungen. Hier werden dann aktualisierte Kommentare und Entscheidungen bezüglich des weiteren Vorgehens der EZB kundgetan. Ob das Anleihekaufprogramm über den derzeit geplanten Endmonat März 2017 hinausgehen wird, muss sich zeigen. Es besteht auch die Möglichkeit, eine Verringerung des monatlichen Kaufvolumens vorzunehmen. Nach Einschätzung vieler Fachleute ist ein abruptes Ende der Wertpapierkäufe jedoch nicht zu erwarten. Wann und in welcher Form die derzeit sehr lockere Geldpolitik der EZB sich ändern wird, ist derzeit nicht absehbar. Die weitere wirtschaftliche und inflationäre Entwicklung in Deutschland und in Europa wird hier entscheidenden Einfluss finden.

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