Bezahlbares Bauen und Wohnen in Deutschland kommt nicht voran – viele Zielkonflikte vorhanden

Der deutsche Ableger des britischen Berufsverbandes aus Immobilienfachleuten und Sachverständigen Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) fordert einen für Deutschland geltenden, breiten und öffentlichen Diskurs zum Thema bezahlbares Bauen und Wohnen. Hier gäbe es viele Zielkonflikte in der deutschen Wohnungspolitik. Nachdem viele Menschen fordern, gerade in Ballungsgebieten ein bezahlbares Schaffen von Wohnraum zu ermöglichen, treten dieser Zielvorstellung auch verschiedene Konflikte (z. B. die Sicherstellung hoher Bauqualität oder die Stärkung der Verbraucherrechte) entgegen. Die Thematik sollte daher unter möglichst breiter Beteiligung aus ganzheitlicher Sicht betrachtet und die verschiedenen Wirkungszusammenhänge differenziert dargestellt werden. 



Bezahlbares Bauen und Wohnen ist auch globales Thema


Die angesprochene Thematik wird auch global kontrovers diskutiert. Unter „affordable housing“ haben internationale Verbände, Fachleute und Privatiers verschiedenste Vorstellungen von der Realisierung bzw. Umsetzung. Sogar die Vereinten Nationen haben mit der Initiative „For a better urban future“ die Thematik weltweit zur Diskussion gestellt. Die hohe Bedeutung in Deutschland resultiert vor allem aus den Preissteigerungen der letzten Zeit in den Ballungsgebieten. Hier ist mittlerweile kaum noch bezahlbarer Wohnraum vorhanden und viele Menschen weichen mittlerweile auf B- und C-Lagen aus und nehmen teils weite Anfahrtswege in Kauf. Nicht zuletzt durch die Etablierung der sogenannten „Mietpreisbremse“ und durch die Diskussion um die erst vor wenigen Monaten eingeführte Wohnimmobilienkreditrichtlinie wird das Thema auf breiter gesellschaftlicher Basis auch politisch diskutiert. Die Bereitstellung von nachfragekonformem und dabei kostengünstigem Wohnraum unterliegt jedoch meist dem Wettstreit mit diversen politischen Zielsetzungen. 



Welche Konflikte stehen besonders im Vordergrund?


Die RICS Deutschland hat nun einmal die sehr zahlreichen Zielkonflikte untersucht. Gerade die hohe Anzahl der Konfliktpunkte sollte klarmachen, dass hier dringend eine breite und offene gesellschaftliche Diskussion absolut notwendig ist, um die Tragweiten besser einschätzen und Lösungen effektiver finden zu können. Die Immobilienwirtschaft ist besonders durch Langfristigkeit und hohen Planungsaufwand geprägt, weshalb nicht auf kurzfristige Lösungen, sondern auf verträgliche Langfristlösungen gesetzt werden sollte. Doch welche Konflikte stehen nun besonders im Vordergrund? 
Laut RICS Deutschland sind das vor allem:
  - die Mietpreise. Eine Kappung von Mietpreisen dämpft das Investoreninteresse an Neubauten.    Doch nur ausreichend vorhandener Wohnraum kann auf Dauer die Angebotspreise und damit die Mieten senken.
  - Die demokratische Beteiligung der Bürger bei großen Bauvorhaben führt oft zur Ablehnung,    was für Wohnraumsuchende eher nachteilig wirkt.
  - Stärkung von Verbraucherrechten und Erreichung hoher Bauqualität: Hierzu wurden viele Gesetze bzw. Verordnungen geschaffen. Dies verhindert jedoch die schnelle Umsetzung von Bauvorhaben und führt auch zu höheren Baukosten.
  - Die Erreichung von Klimazielen und die damit einhergehende Förderung von energiesparenden Bauten sind zwar aus vielen Blickwinkeln wünschenswert, doch erhöhen diese Standards (und diese sind gerade in Deutschland sehr hoch) die Kosten für ansonsten günstige Wohnraumbereitstellungen. 


Dies sind jedoch nur einige Beispiele unter vielen. Die diversen Interessensgruppen sollten sich für eine ganzheitliche Betrachtung am besten an einen Tisch setzen. Dies ist jedoch in der Praxis kaum möglich, da es so viele Interessen und Überschneidungen gibt. Ergo ist ein Ergebnis, welches das bezahlbaren Wohnen und Bauen in Deutschland effektiv realisieren könnte, nicht abzusehen. Allen voran die Politik, aber auch Medien und Bürger sollten sich einbringen, um die Konflikte nach und nach abbauen und so einen Schritt nach vorn realisieren zu können. Ein öffentlicher Diskurs sollte tunlichst gefördert werden.

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