Lohnt sich die Riester-Rente oder nicht?

Die Wirtschaftswoche beschäftigt sich in einem aktuellen Artikel mit den Vor- und Nachteilen der Riester-Rente. Die staatliche geförderte Form der Altersvorsorge wurde 2002 im Rahmen des Altersvermögensgesetzes eingeführt worden und wird seitdem vielfach kritisiert. Wenn man sich jedoch im Detail damit auseinandersetzt, kann sich die privat finanzierte Rente für bestimmte Menschen trotzdem lohnen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen stellt fest, dass es eine Frage des Einzelfalls ist, ob sich die Riester-Rente lohnt oder nicht. Die Wirtschaftswoche unterscheidet in zwei grundsätzliche Strategien, welche die Vorsorge über einen Riestervertrag profitabel werden lassen können – und zwar einmal die Zulagen-Strategie, welche besonders für Familien und Geringverdiener interessant sein kann und zum anderen eine Strategie, welche auf Steuervorteile baut. 


Die Zulagen-Strategie 


Hierbei geht es darum, möglichst viele Zulagen vom Staat zu erhalten. Derzeit erhält der Riestersparer 175 € Pauschale jährlich, sowie 300 € je Kind, welches ab 2008 geboren wurde. Für ältere Kinder gibt es immerhin noch 185 € p.a. Als Beispiel wird im Artikel ein alleinerziehender Vater mit einem Kind genannt. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 15.000 € pro Jahr, muss er nur 125 € in den Vertrag einzahlen, während, er 475 € an jährlichen Zulagen bekommt. Bei zwei oder mehr Kindern, würde sogar nur der Sockelbetrag von 60 € p.a. als Eigenleistung fällig. 


Die Steuer-Strategie 


Hierbei geht es vor allen Dingen um den sogenannten Sonderausgabenabzug. Damit kann der Steuerpflichtige bis zu 2.100 € jährlich als Riester-Sparaufwand von der Steuer absetzen. Das lohnt sich insbesondere dann, wenn keine Kinder vorhanden sind, da eventuelle Zulagen mit den Steuervorteilen verrechnet werden. Als Beispiel für diesen Fall führt die Wirtschaftswoche eine alleinstehende Frau ohne Kinder mit einem angenommenen Jahreseinkommen von 52.500 € an. Sie kann 2.100 € jährlich als Sparaufwand von der Steuer absetzen (abzüglich Zulagen). Somit werden aus dem zu versteuernden Jahreseinkommen 50.400 € - was hier zu einer Steuerersparnis von 897 € führt. Wird die Zulage von 175 € abgezogen, verbleiben immerhin noch 722 €. 


Die Kritikpunkte 


Grundsätzlich eignen sich die genannten Strategien nicht, um diese Vorsorgeform generell zu charakterisieren. Die staatliche Förderung der Zulagen erfolgt beispielsweise nur in der Ansparphase. Beginnt die Auszahlungsphase, werden Steuern auf das erhaltene Geld fällig. Dies relativiert die Steuervorteile in der Ansparphase erheblich. Weitere Nachteile sind die starren Vorgaben und die voraussichtlich sehr geringe Rendite – die Wirtschaftswoche greift hierfür wieder das Beispiel mit dem alleinerziehenden Vater auf: Zahlt dieser jedes Jahr 600 € in den Vertrag ein, erhält er nach 40 Jahren Sparphase voraussichtlich 60 € Rente aus dem Riestervertrag im Monat. Er müsste also über 33 Jahre lang die Rente beziehen, damit der die Sparleistung zurück erhält. Diese Rechnung berücksichtigt allerdings nicht die erhaltenen Zulagen. Wenn man sich verschiedene Beispiele durchrechnet, kommt man vor allen Dingen zu dem Schluss, dass sich die Riester-Rente besonders für Niedrigverdiener mit Kind und für bestimmte Fälle bei Gutverdienern rechnen kann. Dies ist jedoch immer vom Einzelfall abhängig. Als generell geeignete Vorsorgeform zur Beseitigung der Altersarmut kann Riester allerdings nicht angesehen werden. Bei besonderer Lebensgestaltung kann sich Riester sogar nachteilig auswirken – wenn zum Beispiel der Ruhestand im außereuropäischen Ausland verbracht werden soll – denn hier müssten unter Umständen alle erhaltenen Zulagen zurückgezahlt werden. 


Alternative Vorsorgemöglichkeiten 


Da jeder anstrebt, sein Lebensniveau im Alter zumindest zu halten, muss die individuelle Situation und die Lebensplanung sehr detailliert betrachtet werden. Es existieren viele alternative Möglichkeiten, privat für das Alter vorzusorgen. Neben Sparplänen mit Wertpapieren oder eigenem Kapital eignen sich dafür auch Immobilien. Wer selbst nicht über genügend Basiswissen und Erfahrung verfügt, ist gut beraten, zu einem entsprechenden Fachmann zu gehen und sich ausführlich und unabhängig beraten zu lassen. 

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