Altersarmut betrifft 20 % aller Rentner

Wie die Zeit online berichtet ist etwa jeder fünfte Rentner in Deutschland von Altersarmut betroffen. Diese Zahlen beruhen auf dem regelmäßig durchgeführten Mikrozensus – einer Befragung von ca. 400.000 Haushalten in Deutschland. Die Armutsgefährdung wird dabei so definiert, dass in den betreffenden Haushalten weniger als 60 % des Medianeinkommens (mittleres Einkommen) zur Verfügung steht. Dabei sind laut Erhebung insbesondere Alleinerziehende, Arbeitslose und kinderreiche Familien überdurchschnittlich stark gefährdet. Eine Aufbesserung dieser traurigen Zahlen ist bislang nur durch die Einkommen von Pensionären erfolgt. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung sind mit 19,5 % aller Rentnerhaushalte mehr Rentenbezieher von Altersarmut betroffen als allgemein angenommen – so reichte eine bisherige Schätzung nur bis ca. 16 %. Die Lage ist also tatsächlich schlimmer als bisher gedacht.


Pensionäre verfälschen die Zahlen


In den meisten Erhebungen zu diesem Thema sind die Gruppen der Rentner und Pensionäre zusammengefasst. Nach einer tiefergehenden Betrachtung durch den rentenpolitischen Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Matthias Birkwald sowie dem Statistikprofessor Gerd Bosbach nun jedoch wurde dies kritisiert. Pensionäre sind ehemalige Beamte bzw. Beamtinnen, die nicht in die Rentenkasse einzahlen, aber durchschnittlich höhere Renteneinkünfte als Nicht-Beamte/Beamtinnen beziehen. Eine gesonderte Betrachtung sei daher angebracht, so die beiden Herren. Wertet man die Daten nämlich gesondert aus, so ergibt sich daraus, dass fast jeder fünfte „Nicht-Pensionärs-Haushalt“ von Altersarmut betroffen ist. Bei der Gruppe der Pensionäre sind dies lediglich 0,9 %. Um wirksame Maßnahmen gegen diese bedenkliche Entwicklung ergreifen zu können, sollten diese Zahlen bekannt sein.


Wege aus der Misere


Politik und Wirtschaft sind gefordert, Abhilfe für diese Situation zu schaffen. Zur Diskussion steht beispielsweise eine Erwerbstätigenversicherung nach österreichischem Vorbild, in die Selbständige, Beamte, Politiker und freiberuflich Beschäftigte einzahlen. Bundessozialminister Hubert Heil (SPD) hingegen fordert eine Grundrente, welche die Rentenhöhe von Geringverdienern entsprechend aufstocken würde. Als Voraussetzung nennt er eine Einzahlungsdauer von mindestens 35 Jahren in die gesetzliche Rentenversicherung. Dies trifft allerdings auf Kritik aus Unionskreisen, da hier nach deren Meinung keine tatsächliche Bedarfsprüfung stattfinden würde. Matthias Birkwald ist der Meinung, dass die Pläne des Bundessozialministers nicht weit genug gehen und daher nur als erster Schritt bzw. Diskussionsgrundlage angesehen werden können. Notwendig nach seiner Meinung ist vielmehr eine „solidarische Mindestrente“ von mindestens 1.050 Euro je Monat. Diese könne jedoch auch an eine entsprechende Bedürftigkeitsprüfung geknüpft sein. Wie auch immer eine Lösung aussieht – es sollte klar sein, dass Handlungsbedarf besteht, damit Rentner und Rentnerinnen auch zukünftig von den monatlichen Renteneinkünften nach einem Arbeitsleben existieren können und nicht Angst vor existenzieller Armut im Alter trotz der erfolgten jahrzehntelangen Einzahlungen haben müssen. 

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